29.06.2012

Avatare ... diese netten Bildchen ...

Ich bin euch noch den dritten Gästeforums-Teil schuldig, aber der muss warten. Hallo Leute, Avatare sind offensichtlich ganz schön gefährlich!

Das war mir bisher gar nicht bewusst.

An sich ist es ja rechtlich so, dass man bei von Usern eingestellten Inhalten (user generated content) als Betreiber erst dann (mit) haftet, wenn man von der Rechtsverletzung weiß. Aber ...


Das kümmert Abmahner einen Schmarrn. Und wenn man dann so eine Abmahnung im Briefkasten hat, dann kann man die wohl auch nicht einfach ignorieren. Selbst wenn sie noch so widersinnig sein sollte, muss man sich damit beschäftigen. Und wahrscheinlich einen Anwalt konsultieren. Und das kostet Geld, auch dann, wenn man eigentlich gar nichts gemacht hat. Zumindest vermute ich, dass das so ist.


Der Anlassfall: Bloggerin Andrea Juchem, auf Twitter als @apfelmuse bekannt, erhielt Post von der Bildagentur Getty Images. Sie hätte angeblich ein Bild von dieser Agentur in ihrem Blog verwendet, ohne eine Lizenz dafür zu besitzen. Ihre Recherchen ergaben, dass es sich um das über den Webdienst „Gravatar“ genutzte Avatarbild eines Kommentators handelte. Normalerweise hätte die Agentur ausweisen müssen, wo das Bild verwendet wurde, was sie nicht tat; auch sonst ist das Ganze mehr als fragwürdig, und natürlich muss sie nicht zahlen ...  aber das wusste Andrea nicht, sondern hat es erst von ihrem Anwalt erfahren.

Unterm Strich bleibt: Das kann jederzeit jeder von uns passieren. Denn mein/dein Name plus Adresse steht im Impressum. Wir sind es, die als erste angeschossen werden, wenn Fremde ohne unser Wissen Urheberrechte (wirklich oder angeblich) verletzt haben.

Meine akute Konsequenz: Meine User noch deutlicher als bisher darauf hinweisen, dass auch Avatarbilder dem Urheberrecht unterliegen.


Aber das kann ja nun auch nicht das Gelbe vom Ei sein!

Ich möchte nun wissen, wie die Rechtslage aussieht, und begebe mich mal auf Rechtsanwaltsjagd. Sobald ich einen gefangen habe, der bereit ist, Rede und Antwort zu stehen, erfahrt ihr es als Erste.


Nachtrag: Hier die drei Artikel in Andrea Juchems Blog "Bachmichels Haus" zum Abmahnfall:
(Danke an @beingmenow für den Hinweis! :-))

Kommentare:

beingmenow hat gesagt…

Die Geschichte nahm zum Glück ein schnelles und vor allem gutes Ende. Nachzulesen hier: http://www.bachmichels.de/2012/06/27/auch-blogger-konnen-krallen-ausfahren-oder-das-ende-der-getty-geschichte/

Melusine hat gesagt…

Stimmt, für Andrea ist das sehr erfreulich - aber die allgemeine Gefahr bleibt, denn die Agentur hat ja nicht zugegeben, einen Fehler gemacht zu haben. Deren Antwort klingt eher nach Kulanz - oder, wenn man so will, nach: Na gut, da haben wir Pech gehabt, die ist zu schlau, um auf unseren Bluff reinzufallen.
(Danke übrigens für den Hinweis - ich werde die Links zu den beiden Blogartikeln oben noch nachtragen.)

Als Forenbetreiber/in lebt man übrigens unter Umständen noch gefährlicher, denn da gab es schon Urteile, wonach Forenbetreiber sich die Inhalte der User zu eigen machen - wenn auch in diesem Fall die Umstände besonders gelagert sind.

Ich hab mir jetzt wirklich die Mühe gemacht, in meinem Forum alle Avas zu überprüfen, hab zwei (von nicht mehr aktiven Usern) sicherheitshalber gelöscht und einen aktiven User gebeten, mir entweder zu sagen woher er sein Bild hat, oder es auszutauschen - was er (wiewohl widerstrebend) dann auch gemacht hat.

Das ist halt genau auch das Problem mit Forenusern: Die wollen oft gar nicht einsehen, dass sie mit Rechtsverletzungen, die ihnen als Lappalie erscheinen, MIR als Betreiberin schaden. In diesem konkreten Fall wär's nicht so schlimm gewesen, weil ich den Betreffenden kenne, aber die Unannehmlichkeiten würden ja trotzdem zuerst an mir hängen bleiben.